Zug der Erinnerung
Ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen
Anläßlich der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen der Eigentümerin der Deutschen Bahn AG einerseits und internationalen Opferorganisationen der NS-Verbrechen andererseits erklärt die Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung":
1. Alleinige Eigentümerin der Deutschen Bahn AG ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Die Bundesrepublik Deutschland ist Erbin des Vermögens der "Deutschen Reichsbahn", in deren Nachfolge sie die Deutsche Bahn AG betreibt.
2. Vermögensteile der "Deutschen Reichsbahn" entstammen der Mordbeihilfe bei den Massendeportationen des NS-Regimes in Deutschland und den von Deutschland okkupierten Staaten. Nach einem vorläufigen Gutachten erzielte die "Deutsche Reichsbahn" bei den Massendeportationen Einnahmen in Höhe von mindestens 445 Millionen Euro heutiger Währung (665 Millionen US-Dollar).
3. Schuldnerin dieser Einnahmen ist die Bundesrepublik Deutschland, Gläubiger sind die Opfer der "Reichsbahn"-Verbrechen, ihre Erben und ihre internationalen Vertretungskörperschaften.
4. Die Bundesrepublik Deutschland lehnt es ab, die fortdauernde Schuldnerschaft anzuerkennen und den Opfern Versöhnung durch Restitution anzubieten. Stattdessen kündigt sie an, über das Nachfolgeunternehmen der "Deutschen Reichsbahn" (Deutsche Bahn AG) eine "humanitäre Geste" abzuwickeln.
5. Wegen der "humanitären Geste" haben die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Bahn AG bilaterale Verhandlungen in Polen aufgenommen. Nach unseren Erkenntnissen dürfen an diesen Verhandlungen Opferorganisation anderer Staaten entweder nur mittelbar oder überhaupt nicht teilnehmen. Die exklusiven Verhandlungen sind geeignet, die Opfer und ihre Vertretungskörperschaften gegeneinander auszuspielen.
6. Das von der Verhandlungsführerin der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Bahn AG gesteuerte Verfahren verletzt die Rechte der Gesamtheit der Gläubiger und entbehrt jeder demokratischen Grundlage, da auch die Rechte der deutschen und internationalen Öffentlichkeit, in die Aussöhnung zwischen Tätererben und Opfern einbezogen zu werden, keine Beachtung finden.
7. Die von der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Bahn AG angekündigte "Geste" ist weder moralisch noch materiell angemessen. Statt sich zur Mordbeihilfe der "Deutschen Reichsbahn" in vollem Umfang zu bekennen, die Toten an den Stätten ihrer Deportationen zu ehren und bedingungslose Zahlungen in Höhe der Tateinnahmen zu leisten, bietet die Schuldnerin den Opfern ein "Hilfsprogramm" an. Das "Programm" soll über mehrere Jahre gestreckt werden und macht die Opfer zu Bittstellern karitativer Maßnahmen. Zehntausende Hinfällige in hohem Alter werden die "humanitäre Geste" nicht mehr erleben.
8. Das Vorgehen der Schuldnerin widerspricht der Einsicht weiter Teile der deutschen Öffentlichkeit, dass nur ein unzweideutiges Schuldbekenntnis und die Begleichung der Schulden die historischen Verbrechenslasten mildern kann, damit zwischen den Nachfahren der Täter und den überlebenden Opfern Misstrauen und Hass vergehen.
9. Sollte die Verhandlungsführung der Bundesrepublik Deutschland darauf abzielen, die Bedürftigkeit der Opfer auszunutzen, sie gegeneinander auszuspielen, zur Annahme eines "Programms" zu nötigen und ihre tatsächlichen Ansprüche durch Zeitablauf zu erledigen, werden die Ergebnisse keinen Bestand haben.
10. Namens des Vorstands der deutschen Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" und der von ihr vertretenen Teile der deutschen Zivilgesellschaft erklären wir: Die Rechtspflicht der Bundesrepublik Deutschland, sämtliche "Reichsbahn"-Opfer zu restituieren, ist durch eine "humanitäre Geste" nicht zu tilgen und unterliegt der internationalen Gerichtsbarkeit - et nunc et semper.
Berlin, 10. August 2010
Zug der Erinnerung e.V.
Der Vorstand
Armin Dahm
Tatjana Engel
Lars Grüterig
Hans-Rüdiger Minow
12.07.2010
Demonstrationen auf deutschen Bahnhöfen angekündigt
Demonstranten auf mehreren deutschen Bahnhöfen verlangen Entschädigungen für die Opfer der "Reichsbahn"-Deportationen in die Zwangs- und Vernichtungslager. Dabei kam es am Sonntag (11. Juli) zu Zusammenstößen mit Ordnungskräften der "Deutschen Bahn AG" (DB AG) in Hamburg. Das Unternehmen wollte die Verteilung von Informationsmaterial verhindern und machte von seinem Hausrecht Gebrauch. Ein Transparent mit der Aufschrift "Die 'Reichsbahn'-Opfer ehren - den Überlebenden jetzt helfen" wurde verboten und von der DB-Sicherheit umstellt.
Anlass der Demonstrationen, zu denen auch in Frankfurt am Main und in anderen Großstädten aufgerufen wird, sind sogenannte Bahnhofsfeste, die von der DB AG bundesweit organisiert werden. Damit will das Nachfolgeunternehmen der "Reichsbahn" in den kommenden Monaten 175 Jahre deutsches Eisenbahnwesen feiern und stellt sich in die Tradition der nationalen Bahngeschichte. Sie führte auch nach Auschwitz. Höhepunkt der Festivitäten ist ein "Bahnhofsfest" in Nürnberg, zu dem DB-Chef Rüdiger Grube und Bundeskanzlerin Merkel einladen.
"Solange Überlebende der 'Reichsbahn'-Verbrechen unter manchmal ärmlichen Verhältnissen leben müssen, fällt es uns schwer zu feiern", heißt es in dem verbotenen Informationsmaterial der Hamburger Demonstranten. Nach einem Gutachten der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" nahm die "Reichsbahn" bei den Massendeportationen wenigstens 445 Millionen Euro heutiger Währung ein. Dieses Geld wurde den Verschleppten nie zurückgezahlt. Die Bürgerinitiative verlangt eine "angemessene Restitution statt wohlfeiler Barmherzigkeit. Den überlebenden 'Reichsbahn'-Opfern in Deutschland und in den früher besetzten Staaten muss bedingungslose Gerechtigkeit widerfahren".
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09.06.2010
Die letzten Überlebenden der "Reichsbahn"-Deportationen sollen entschädigt werden. Erste Gespräche, an denen die Bundesregierung und die Deutsche Bahn AG beteiligt sind, finden bereits in den kommenden Wochen statt. Dem Vernehmen nach ist die Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" (EVZ) Verhandlungsführerin der deutschen Seite. Die "Reichsbahn"-Opfer werden von einer polnischen Organisation vertreten. Die "Reichsbahn" hatte in der NS-Zeit über 3 Millionen Menschen in Vernichtungs- und Zwangslager verschleppt, darunter über eine Million Kinder. Die Todestransporte und Deportationen mussten die Opfer oft selbst bezahlen. Nach einem Gutachten der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" nahm die "Reichsbahn" bei diesen Transporten mindestens 445 Millionen Euro heutiger Währung ein. Obwohl zahlreiche Opfer unter schwierigen sozialen Verhältnissen leben, verweigerten die "Reichsbahn"-Erben bis vor kurzem jegliche Entschädigung.
In den Stillstand kam erst Bewegung, als osteuropäische Überlebende im März diesen Jahres einen gemeinsamen Appell an die DB AG richteten. In der "Warschauer Erklärung" verlangen sie eine "humanitäre Geste" des Unternehmens. Dem haben sich zahlreiche deutsche Parlamentarier und Abgeordnete des Europaparlaments in einer Petition angeschlossen. "Die Unterstützung der Öffentlichkeit hat die 'Reichsbahn'-Erben zu einem ersten Einlenken veranlasst", heißt es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung". "Jetzt kommt es darauf an, die Verhandlungen für sämtliche Opfer transparent und mit einem angemessenen Ergebnis zu führen."
Während die Überlebenden von "Reichsbahn"-Verpflichtungen in dreistelliger Millionenhöhe ausgehen, seien bei der DB AG symbolische Beträge von weniger als einem Zehntel im Gespräch, heißt es in der Stellungnahme. Über die Höhe der Entschädigungsleistungen muss der DB-Aufsichtsrat befinden. In ihm üben die Staatssekretäre des Verkehrsministeriums, des Finanzministeriums und des Wirtschaftsministeriums maßgeblichen Einfluss aus.
Die Verhandlungen stehen unter Zeitdruck. Bundeskanzlerin Merkel und Bahnchef Grube wollen im Dezember das 175. deutsche Eisenbahnjubiläum feiern. "Bis dahin muss den Opfern Gerechtigkeit widerfahren; ihre letzten Tage sollen sie in Würde verbringen", verlangt der "Zug der Erinnerung".
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06.05.2010
Auf einen Güterbahnhof an der Berliner Stadtperipherie will die Deutsche Bahn AG den "Zug der Erinnerung" verschieben. Den von der gleichnamigen Bürgerinitiative beantragten Halt in Berlin-Spandau, einem zentralen Durchgangsbahnhof, lehnt die DB AG trotz zahlreicher Proteste weiter ab. Als Ersatz bietet das Unternehmen die Gütergleise in einem Waldgebiet an. Das Gelände verfügt weder über Bahnsteige, noch gibt es eine Überdachung. "Die deportierten NS-Opfer auf dem Schotter einer Industrieanlage zu ehren ist eine Zumutung, die wir nicht hinnehmen werden", heißt es in einer Stellungnahme des Trägervereins "Zug der Erinnerung".
Für die Verschiebung auf die Abstellgleise hatte sich zuvor der Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau ausgesprochen, der in engem Kontakt mit der DB AG steht. Ihm droht deswegen ein Misstrauensantrag mehrerer Abgeordneter.
In dem Konflikt um ein angemessenes Gedenken an die NS-Opfer ist die Bundesnetzagentur (Bonn) als staatliche Regulierungsbehörde tätig. Die Behörde hatte die Bahn AG im April zu einem Vermittlungsgespräch eingeladen, das von dem Unternehmen ausgeschlagen wurde. Sämtliche Bitten um Unterstützung, die der "Zug der Erinnerung" anlässlich seines Berlin-Aufenthaltes an den Bundesverkehrsminister (Peter Ramsauer, CSU) richtete, bleiben nach Auskunft des Trägervereins unbeantwortet.
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04.05.2010
Die Deutsche Bahn AG sperrt ihre Bahnhöfe für TV-Interviews über den "Zug der Erinnerung". Der Zug mit einer mobilen Ausstellung über die "Reichsbahn"-Deportationen soll am 8. Mai auf dem früheren Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald einfahren. Die DB AG gibt die Gleise bis heute nicht frei. Das Drehverbot gilt ebenso für das am Bahnhof Grunewald gelegene Mahnmal, das an die deportierten Berliner Juden erinnert. Einen Antrag auf Dreherlaubnis hatte der öffentlich-rechtliche Sender "radio berlin brandenburg" (rbb) bei der DB AG gestellt. Daraufhin untersagte das Bahnunternehmen dem rbb die für gestern (03.05.2010) geplanten Interviews auf dem Mahnmalgelände.
Außer in Berlin-Grunewald will der "Zug der Erinnerung" in Spandau, Berlin-Mitte, Berlin-Schöneweide und Ahrensfelde Station machen. Auf keinem dieser Bahnhöfe hat die DB AG bisher das Gedenken an die Opfer der "Deutschen Reichsbahn" gestattet.
Der "Zug der Erinnerung" kündigt an, ein Gedenkverbot nicht hinzunehmen. "Die Sperrung der Bahnhöfe am 8. Mai werden wir notfalls durchbrechen", heißt es in einer Stellungnahme von heute (04.05.2010). Die Initiative ruft dazu auf, zu Ehren der "Reichsbahn"-Opfer am 65. Jahrestag ihrer Befreiung auf dem Bahnhof Berlin-Grunewald Blumen niederzulegen.
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Presseeinladung zur Gedenkzeremonie am 8. Mai 2010 um 10:30 Uhr auf dem Bahnhof Berlin-Grunewald
Es sprechen Überlebende der "Reichsbahn"-Deportationen und Vertreter internationaler Opferorganisationen
21.04.2010
Die letzten Überlebenden der "Reichsbahn"-Deportationen können auf keine schnelle Hilfe hoffen. Dies teilt die Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" mit, die ehemalige Deportierte aus Deutschland und mehreren osteuropäischen Staaten unterstützt. Demnach lässt Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) an ihn gerichtete Schreiben seit November vergangenen Jahres unbeantwortet.
Auch der Vorstand der DB AG schweige zu mehrmaligen Aufforderungen, sich der "Reichsbahn"-Opfer anzunehmen. "Wir hatten gehofft, Sie würden das Alter der Überlebenden berücksichtigen, deren Leiden weder moralisch noch materiell abgegolten sind", heißt es in einem Brief der Bürgerinitiative an die DB AG vom 20. April. "Mit der notwendigen Unterstützung weiter zu warten und die angebotenen Gespräche dilatorisch zu behandeln, kann nur bedeuten, auf den Tod der Opfer zu setzen." Da sämtliche Bitten und Appelle unberücksichtigt blieben, sehe man sich veranlasst, "nunmehr die deutsche und internationale Öffentlichkeit über das Scheitern unserer Bemühungen zu unterrichten."
21 Opferverbände aus fünf Staaten hatten angekündigt, notfalls gerichtlich vorzugehen, sollte die Deutsche Bahn AG eine humanitäre Geste für die letzten Überlebenden verweigern. Sie waren im Kindesalter mit Zügen der "Deutschen Reichsbahn" in die NS-Zwangs- und Vernichtungslager deportiert worden. Die Gesamtzahl der von der "Reichsbahn" verschleppten Menschen, die zu Tausenden in den Güterwagen starben, wird auf über 3 Millionen geschätzt. Dabei nahm das staatliche Bahnunternehmen nach vorsichtigen Berechnungen 455 Millionen Euro heutiger Währung ein. Juristische und historische Erben der "Reichsbahn" sind das deutsche Verkehrsministerium und die DB AG.
Anläßlich des 65. Jahrestages ihrer Befreiung wollen Überlebende der "Reichsbahn"-Deportationen den "Zug der Erinnerung" bei seiner Einfahrt nach Berlin am 8. Mai begleiten. Die DB AG hat angekündigt, Gleise zu sperren (Berlin-Spandau) und lässt offen, ob sie das Gedenken an die "Reichsbahn"-Opfer auch auf dem früheren Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald verhindern will.
Pressekontakt: 02297-1649
20.04.2010
Zwischen dem "Zug der Erinnerung", der am 8. Mai in Berlin einlaufen will, und der DB AG bahnt sich ein neuer Konflikt an. Die DB sperrt dem Zug mit einer Ausstellung über die jugendlichen Opfer der "Reichsbahn"-Deportationen die Zufahrt auf den Bahnhof Berlin-Spandau. Auch weitere Stationen in der deutschen Hauptstadt, so der frühere Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald, werden von der DB AG nicht bestätigt.
In den Konflikt ist inzwischen die Bundesnetzagentur eingeschaltet. Die staatliche Regulierungsbehörde hatte die Parteien am gestrigen Montag (19. April) zu einem Vermittlungsgespräch nach Bonn geladen. Kurz vor dem gemeinsamen Termin lehnte die DB AG ihr Erscheinen ab. "Statt das Gedenken an die 'Reichsbahn'-Opfer zu unterstützen, setzen die Erben der 'Reichsbahn' auf Konfrontation", kommentiert der Sprecher der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" die Gesprächsverweigerung.
Bereits 2008 kam es zu öffentlichen Auseinandersetzungen, als der über 4.500 deportierten Kinder gedacht werden sollte, die mit der "Reichsbahn" aus Berlin verschleppt wurden. Trotz einer Intervention des Regierenden Bürgermeisters gelang es damals der DB, einen Halt des Zuges auf dem Berliner Hauptbahnhof zu verhindern. Daraufhin legten mehrere Zehntausend Besucher auf Ausweichbahnhöfen Blumen nieder.
Für die Fahrt des Zuges und den Zugang zur Ausstellung über die jugendlichen "Reichsbahn"-Opfer verlangen die "Reichsbahn"-Erben hohe Gebühren. So muss die Bürgerinitiative, die den Zug seit drei Jahren durch Deutschland fahren lässt, je Schienenkilometer rund 4 Euro an die DB AG zahlen. Pro Ausstellungsstunde erhebt die DB 45 Euro. Selbst die Nachtabstellung auf einem Gütergleis kostet Geld. Die täglichen DB-Gebühren für den "Zug der Erinnerung" belaufen sich auf durchschnittlich 1.000 Euro.Der geplante Berlin-Aufenthalt des Zuges (8. Mai bis 20. Mai) wird aus Spenden beglichen, den mehrere Berliner Bezirke, Kirchenkreise und private Unterstützer zur Verfügung stellen.
„Anlässlich des 65. Jahrestages des Kriegsendes werden wir darauf bestehen, am 8. Mai den 'Zug der Erinnerung' in die deutsche Hauptstadt zu bringen", kündigt die Bürgerinitiative an.
Pressekontakt: 02297-1649
09.04.2010
Zum Gedenken an die "Reichsbahn"-Deportierten werden einhundert Jugendliche aus allen Teilen Deutschlands in der kommenden Woche in Berlin erwartet. Sie folgen einer Einladung der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" und werden anschließend in die Gedenkstätte Auschwitz (Polen) weiter reisen. Dort wollen sie den letzten Spuren deportierter Kinder aus ihren Heimatstädten nachgehen.
In Berlin werden die Teilnehmer die früheren Einsatzzentralen der "Reichsbahn"-Deportationen aufsuchen. Das staatliche Bahnunternehmen verschleppte etwa 3 Millionen Menschen, darunter eine Million Kinder und Jugendliche, in die Lager. Die meisten kehrten nicht zurück. Verantwortlich für die Todeszüge waren neben der "Reichsbahn" das Berliner Verkehrsministerium und die SS. Auch das Auswärtige Amt half mit.
Die Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" fordert von den "Reichsbahn"-Nachfolgern (Deutsche Bahn AG), die letzten Überlebenden mit einer humanitären Geste zu unterstützen. Die Bundesregierung, die alleiniger Eigentümer der DB AG ist, sieht dafür "keinen rechtlichen Spielraum".
Am Dienstag, 13. April,
werden die einhundert Jugendlichen in einem öffentlichen Gedenkzug zu den Gleisanlagen des früheren Deportationsgeschehens ziehen.
Wegestrecke: Lewetzowstraße - Jagowstraße - Turmstraße - Lübecker Straße - Perleberger Straße - Havelberger Straße - Quitzowstraße - Mahnmal Putlizbrücke (S-Bahn Westhafen).
Fototermine: 16.30 Uhr (Lewetzowstraße) bis 17.45 Uhr (Putlitzbrücke)
Pressekontakt: +49 2297 1649 (Herr Minow)
Pressekontakt Dienstag: +49 162 7733563 (Frau Schilde)
Die Bundesregierung
lehnt finanzielle Hilfen für die letzten Überlebenden der
Massendeportationen mit der "Deutschen Reichsbahn"
kategorisch ab. "Raum" für Leistungen gleich welcher Art
"gibt es nicht", teilte das Bundesministerium für Finanzen
jetzt mit. Auch die Deutsche Bahn AG, die historische Erbin der
"Deutschen Reichsbahn" ist, treffe "keine rechtliche
Verpflichtung", heißt es in einem Schreiben an den
gemeinnützigen Verein "Zug der Erinnerung". Man habe alles
getan und müsse einen Schlussstrich ziehen.
Der "Zug der
Erinnerung", der eine mobile Ausstellung über die etwa 3
Millionen "Reichsbahn"-Opfer durch die deutschen Bahnhöfe
fahren lässt, hatte die Bundesregierung um eine humanitäre Geste
gebeten. Zahlreiche Deportierte, die als Kinder und Jugendliche den
Leidensweg über das europäische Schienennetz antraten, leben im
hohen Alter unter schwierigen sozialen Bedingungen.
Inzwischen appellieren 21
Opferorganisationen aus vier Ländern an die deutsche Öffentlichkeit.
In einer Erklärung, die am vergangenen Wochenende in Warschau
verabschiedet wurde, heißt es:
"Ohne die
'Deutsche Reichsbahn' und ihre Massentransporte wären die Morde, die
Ausbeutung und die unmenschlichen Leiden der Opfer unmöglich
gewesen. Die Wagen der 'Deutschen Reichsbahn' wurden für
Hunderttausende zu rollenden Särgen.
Wir sind Überlebende
dieser Todestransporte. Für unseren Weg in Vertreibung,
Gefangenschaft und Vernichtung hat die 'Deutsche Reichsbahn'
Kilometer für Kilometer Gebühren erhoben. An den Massenverbrechen
hat sie sich bereichert (...) Die historischen Nachfolger der
'Deutschen Reichsbahn' müssen ihrer moralischen und finanziellen
Pflicht endlich nachkommen.
Warschauer Erklärung in voller Länge
Der "Zug der Erinnerung", der bereits im vergangenen Dezember nach Eisenhüttenstadt kommen sollte, macht Ende April auf dem DB-Bahnhof Station. Vorgesehen sind mindestens zwei Aufenthaltstage, teilt die Bürgerinitiative mit, die den Zug und seine mobile Ausstellung mit einer Dampflok seit drei Jahren durch Deutschland fahren lässt.
Gezeigt werden Biografien von Kindern und Jugendlichen, die mit der "Reichsbahn" in die NS-Konzentrationslager verschleppt wurden. Die meisten kehrten nicht zurück. Zu ihnen gehören auch Kinder aus dem früheren Fürstenberg: Klaus Wolfgang Klein (10 Jahre), Walter Lewin (15 Jahre), Susanne Leyser (12 Jahre) und Manfred Meyer (11 Jahre). Kinder der in Fürstenberg zu Zwangsarbeit verurteilten Arbeiterinnen und Kriegsgefangenen ließen in der Stadt ebenfalls ihr Leben.
Der "Zug der Erinnerung" werde diese vergessenen Opfer "im 65. Jahr nach der Befreiung" angemessen ehren, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Bürgerinitiative.
Sie ruft Schüler und Lehrer in Eisenhüttenstadt auf, sich an der Spurensuche nach den Lebenszeugnissen der ermordeten Kinder zu beteiligen und diese Andenken in die mobile Ausstellung einzubringen.
Besonders engagierte Jugendliche lädt der "Zug der Erinnerung" zu einer Gedenkstättenfahrt in die Nähe von Gdansk (Danzig) ein.
Der Aufenthalt des Zuges kommt mit aktiver Unterstützung der EKO-Stiftung zustande. Arcelor Mittal hatte bereits im Dezember dafür gesorgt, daß die Waggons auf sicherem Weg in die Winterpause nach Berlin überführt werden konnten. Von dort kehren sie jetzt nach Eisenhüttenstadt zurück. Weitere Stationen sind Frankfurt (Oder) und die polnische Grenzregion.
Pressekontakt: 02297-1649 oder 0171-190 5050 (Herr Minow)
Der Konflikt mit der Deutschen Bahn AG um das Gedenken an die NS- Deportationsopfer spitzt sich erneut zu. Die Bahn sperre dem "Zug der Erinnerung" die Einfahrt auf Personengleise in Eisenhüttenstadt (Brandenburg), heißt es in einer Pressemitteilung des gleichnamigen Bürgervereins. Dem Zug mit Fotos und letzten Lebenszeugnissen deportierter Kinder werde zum wiederholten Mal die "Verladerampe in einer abgelegenen Industriebrache" als Ort der Ehrung zugewiesen (Fotos, Rechte frei).
Die "Verhöhnung der Ermordeten", die von der NS-"Reichsbahn" in den Tod gefahren wurden, werde man nicht hinnehmen, heißt es in der Pressemitteilung. Aus Eisenhüttenstadt stammen Dutzende jüdische Familien, die in den NS- Vernichtungslagern endeten, darunter mehrere Kinder. Die Region war Umschlagplatz der ersten NS-Massendeportation (1938), bei der die SS über 17.000 polnische Juden über die Grenze trieb ("Polen-Aktion").
Auch die Kommunalspitze von Eisenhüttenstadt ignoriere eine angemessene Ehrung, beklagt der "Zug der Erinnerung". Der mobilen Gedenkstätte wurde demnach mitgeteilt, in Eisenhüttenstadt (früher: Fürstenberg) fehle ein "konkreter historischer Bezug". Über deportierte Kinder und Jugendliche wisse man nichts. Es sei deswegen "ausgeschlossen", daß sich Schüler an der Spurensuche nach den Verschleppten beteiligen.
"Dies ist das erste Mal, daß eine Kommune ihr Desinteresse an den Opfern in so beschämender Weise dokumentiert", heißt es in der Pressemitteilung. Eisenhüttenstadt ist eine Domäne rechtsradikaler Aktivisten.
Der "Zug der Erinnerung" machte seit Ende 2007 auf über 100 Stationen Halt. Insgesamt 370.000 Besucher kamen bisher auf die Bahnhöfe. Ziel der Fahrt ist die Gedenkstätte Auschwitz.
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BERLIN - Die von der Deutschen Bahn AG gestern (02.07.09) gezahlten 175.000 Euro für den "Zug der Erinnerung" sollen teilweise in einen Hilfsfonds fließen. Man schlage ein umfassendes Hilfsprogramm vor, um Überlebende der "Reichsbahn"-Deportationen zu unterstützen, teilt die gemeinnützige Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung" mit. Zuvor hatte der neue Vorstandsvorsitzende der DB AG, Dr. Rüdiger Grube, in Berlin einen Scheck an die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" (EVZ) übergeben. Auf dem Umweg über die EVZ soll das Geld an den "Zug der Erinnerung" gelangen und einen jahrelangen Streit beilegen.
Die "Reichsbahn" transportierte etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche in die NS-Vernichtungslager, von denen nur wenige überlebten. Auf dieses kaum beachtete Kapitel der deutschen Massenmorde macht seit über 2 Jahren der "Zug der Erinnerung" mit einer mobilen Ausstellung aufmerksam. Sie wurde auf bisher 96 Bahnhöfen gezeigt und zog 330.000 Besucher an.
Wiederholt kam es auf der Ausstellungsstrecke zu Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bahn AG. Das Unternehmen erhob für das Gedenken an die "Reichsbahn"-Opfer stündlich Gebühren (Trassen- und Stationskosten). "Der jetzt zur Verfügung gestellte Betrag entspricht in etwa den hohen DB-Rechnungen", heißt es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative. "Wir konnten diese Rechnungen nur begleichen, weil uns tausende Besucher mit ihren großzügigen Spenden halfen."
Da die Überlebenden der "Reichsbahn"-Deportationen oft an physischen und psychischen Spätfolgen leiden, will der "Zug der Erinnerung" mit den jetzt zurückerstatteten Bahn-Gebühren praktische Hilfe leisten. Geprüft werde die Einrichtung eines Hilfsfonds für die "Reichsbahn"-Opfer. Der Umfang des Fonds müsse den Deportationseinnahmen der früheren "Reichsbahn" entsprechen, heißt es in der Stellungnahme des Vereins "Zug der Erinnerung".
Die "Reichsbahn" hatte den Deportierten 4 Pfennige pro Kilometer berechnet. Kinder bezahlten für die Fahrt in den Tod die Hälfte. Zwar beteiligte sich die Deutsche Bahn AG in der Vergangenheit an einer Stiftung für die ehemaligen Zwangsarbeiter der "Reichsbahn". Aber bei der Bewältigung der Folgen des eigentlichen Deportationsgeschehens, das häufig in Viehwaggons quer durch Europa führte, wurde den damals noch jugendlichen Überlebenden nie Unterstützung gewährt.
"Wir hoffen, daß sich das Verkehrsministerium, die Deutsche Bahn AG und die führenden Unternehmen der deutschen Bahnindustrie an einem Hilfsfonds maßgeblich beteiligen werden. Ein Anfang ist gemacht."
Nach Auskunft des Trägervereins wird der "Zug der Erinnerung" seine Fahrt im kommenden Herbst und Winter fortsetzen. Die Strecke führt u.a. auf Bahnhöfe an der französischen, niederländischen und polnischen Grenze. Dort werden Überlebende, die als Kinder von der "Reichsbahn" in die Lager geschleust wurden, die mobile Ausstellung begrüßen.
3. Juli 2009
Pressekontakt: Hans-Rüdiger Minow, Vorstandssprecher, Tel.: 02297-1649 oder 02297-1010
Die sofortige Schließung der NS-Abteilung im zentralen Verkehrsmuseum der Deutschen Bahn AG (Nürnberg) hat die bundesweite Initiative "Zug der Erinnerung" gefordert. Die DB AG stelle in Nürnberg hakenkreuzgeschmückte NS-Devotionalien aus, die von dem Unternehmen als "Glanzlichter der Eisenbahngeschichte" bezeichnet werden. Im DB-Museum könne man "alles bestaunen: liebevoll restaurierte NS-Uniformen der 'Reichsbahn', farbige NS-Plakate der 'Reichsbahn' oder luxuriöse NS-'Reichsbahn'-Waggons - eine einfühlende Erinnerung an die Opfer der millionenfachen 'Reichsbahn'-Transporte in den Massenmord" finde man jedoch nicht, heißt es in einer Stellungnahme, die am Donnerstag auf dem Nürnberger Hauptbahnhof verteilt wurde.
Zuvor hatte der Nürnberger Oberbürgermeister den "Zug der Erinnerung" in Gegenwart von Vertretern des Landesverbandes der Sinti und Roma auf Gleis 1 begrüßt. Der Zug mit einer mobilen Ausstellung über die "Reichsbahn"-Massendeportationen von Kindern und Jugendlichen in die NS-Vernichtungslager befindet sich auf einer deutschlandweiten Fahrt. Sie führt zur Gedenkstätte Auschwitz. Schätzungen gehen von über einer Million verschleppter Kinder und Jugendlicher aus, die nicht mehr zurückkehrten. Unter den Opfern befinden sich Kinder aus fast sämtlichen europäischen Staaten.
Die Nürnberger DB-Ausstellung wird wegen ihrer NS-Abteilung seit Jahren kritisiert. Das Museum zeigt auf sechstausend Quadratmetern Exponate zur deutschen Eisenbahngeschichte und widmet exakt achtzehn Quadratmeter der "Reichsbahn"-Beihife zum Holocaust. In dem Ausstellungs-"Kabuff" finde "keine Auseinandersetzung mit dem Massenmord" statt, hieß es bereits 2006 im Deutschlandfunk ("Mit der Bahn in den Tod", 04.12.2006). Die Deutsche Bahn AG stelle sich "nur gezwungen und so ganz nebenbei" den Tatsachen.
Laut Pressemitteilung vom "Zug der Erinnerung" habe diese Art der Geschichtsdarstellung bei der DB AG "Methode". Bis März 2009 seien im Internet-Kanal der DB AG ('Bahn TV') Propagandasequenzen aus NS-Filmen gezeigt worden, "in denen die Ausrottungspolitik der Nazis völlig geleugnet wurde - durch Beschweigen." Erst nach Protesten durch den "Zug der Erinnerung" habe die DB AG die Sendung aus dem Netz genommen. Die bundesweite Initiative weist darauf hin, dass in Nürnberg Feiern zum 175. Jubiläum des deutschen Eisenbahnwesens bevorstehen (2010). Bis dahin müsse "die skandalöse NS-Abteilung des Nürnberger DB Museums geschlossen werden, um sie grundsätzlich zu überarbeiten. Die Beleidigung der NS-Opfer muss ein Ende haben."
Wegen ihres Umgangs mit dem Gedenken an die "Reichsbahn"-Verbrechen wird die DB AG zunehmend kritisiert. Zuletzt hatte die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland das Verhalten der DB AG "ungeheuerlich und nicht nachvollziehbar" genannt. Anlass waren Auseinandersetzungen auf dem Münchner Hauptbahnhof (27.04.), als die Bahn Hinweise auf die Ehrung der Opfer beschlagnahmen ließ.
Pressekontakt: 0171-190 50 50 (Herr Minow, Vorstandssprecher)
MÜNCHEN - Mit massiven Behinderungen auf dem Münchener Hauptbahnhof setzt die Deutsche Bahn AG ihren Boykott gegen den "Zug der Erinnerung" fort. Der Zug, der in mehreren Ausstellungswagen letzte Lebenszeugnisse jugendlicher Opfer der NS-Deportationen mit der "Deutschen Reichsbahn" zeigt, steht seit Montag (27.04.) auf einem Außengleis des Bahnhofs.
Unmittelbar nach Eröffnung durch den Münchener Oberbürgermeister Christian Ude und mehrere Überlebende griff das Bahnhofsmanagement in das Ausstellungsgeschehen ein. Die DB AG beschlagnahmte im gesamten Bahnhofsbereich sämtliche Hinweistafeln auf den "Zug der Erinnerung" und die über 200 deportierten Kinder der Stadt ("Brandschutzmaßnahme"), ordnete "technische Kontrollen" des Zuges an und ließ Gruppen bewaffneter Sicherheitskräfte vor den Ausstellungswagen patrouillieren.
"Unter diesen Umständen ist ein würdiges Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen in München nicht möglich", heißt es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative "Zug der Erinnerung", die das Gedenkprojekt seit 2007 durch Deutschland fahren lässt. "Wir erwarten und verlangen, dass die DB AG die Behinderungen sofort einstellt. Wir appellieren an die Münchener Zivilgesellschaft, dem Boykott entgegenzutreten und das Gedenken vor dem Zugriff der Deutschen Bahn AG zu schützen. Sollte eine würdige Ehrung der Deportierten in München unmöglich sein, werden wir den 'Zug der Erinnerung' abziehen. Eine weitere Beleidigung der Opfer aus München, aus ganz Deutschland und fast sämtlichen europäischen Staaten lassen wir nicht zu."
Am "Zug der Erinnerung" hatten am Montag neben Vertretern der Stadt und der jüdischen Gemeinde konsularische Repräsentanten aus den vormals okkupierten Ländern Blumen niedergelegt, um ihre ermordeten Staatsbürger zu ehren. Ziel des Zuges ist die Gedenkstätte Auschwitz.
Von den Initiatoren des Gedenkens an den Massenmord verlangte das Nachfolgeunternehmen der "Deutschen Reichsbahn" bisher über 140.000 € ("Bahnhofsgebühren" und "Trassenpreise"). Auf mehreren früheren Deportationsbahnhöfen verbot die DB AG Fernsehteams Interviews am "Zug der Erinnerung" (Freiburg) oder behinderte den öffentlichen Zugang auf andere Weise.
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MÜNCHEN/BERLIN - Bei seinem kommenden Aufenthalt in München und in acht anderen bayerischen Städten bleibt der "Zug der Erinnerung" ohne finanzielle Unterstützung durch die Staatsregierung. Eine Bitte um Beteiligung an den hohen Kosten hat Ministerpräsident Seehofer (CSU) abgelehnt. Der Zug, der mit einer Ausstellung über die "Reichsbahn"-Deportationen von Kindern und Jugendlichen durch Deutschland fährt, musste an die Deutsche Bahn AG bisher über 120.000 Euro Trassen- und Stationsgebühren zahlen. Auch für die Anfahrt nach München verlangt die Deutsche Bahn AG vom "Zug der Erinnerung" rund 4 Euro pro Schienenkilometer und für das Gedenken an die Deportierten 45 Euro pro Stunde. Aus München wurden mit der "Reichsbahn" über 200 Kinder und Jugendliche in die Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Nur wenige kehrten zurück. Um in mehreren Waggons an den letzten Weg der Deportierten erinnern zu dürfen und die verantwortlichen "Reichsbahn"-Täter zu benennen, rechnet die Bürgerinitiative allein in München mit etwa 5.000 Euro Bahngebühren. Für das Gedenken an die Opfer stellt die Deutsche Bahn AG auf den acht bayerischen Stationen Forderungen in Höhe von insgesamt rund 30.000 Euro in Aussicht.
Eine Befreiung von den Gebühren hat der bayerische Bahnvorstand Dr. Otto Wiesheu ("Abtg. Wirtschaft und Politik") wiederholt abgelehnt. Ebenso lehnt es Wiesheu (CSU) ab, einer parteiübergreifenden Bitte nachzukommen und die Gelder dem "Zug der Erinnerung" zu spenden. Eine entsprechende Empfehlung haben sowohl der Verkehrsausschuss als auch der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages unterbreitet, aber finden bei Wiesheu kein Gehör. Man werde dem "Zug der Erinnerung" mit seiner Ausstellung über Opfer und Täter keinen Cent erlassen, heißt es in mehreren Schreiben Wiesheus. Wiesheu bewirbt eine eigene Ausstellung der Bahn AG, in der die Nachkriegskarrieren der "Reichsbahn"-Täter weitgehend unerwähnt bleiben. Unter Wiesheus Mitverantwortung verbreitete die Deutsche Bahn AG auf ihrem Internet-Kanal ("Bahn TV") bis vor kurzem NS-Propagandasequenzen, die die Massendeportationen durch Beschweigen leugnen (Nazi-Propaganda-Sequenzen in "Bahn TV"). Das Material wurde erst aus dem Netz genommen, als der "Zug der Erinnerung" darüber informierte.
Der "Zug der Erinnerung" hat seit November 2007 über 90 Stationen angefahren, bei denen es sich um Deportationsorte oder Durchgangsbahnhöfe der Verschleppungen handelt. Rund 280.000 Besucher kamen bisher in die Ausstellungswagen, die Biographien von Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa zeigen. Ausser in München sind Stationen in Augsburg, Regensburg, Nürnberg, Erlangen, Fürth, Würzburg und Aschaffenburg vorgesehen. Ziel der Fahrt ist die Gedenkstätte Auschwitz.
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Die Deutsche Bahn AG verbreitet auf ihrem Internet-Kanal "Bahn TV" NS-Propagandasequenzen über das deutsche Eisenbahnwesen und beschweigt die Massendeportationen der "Deutschen Reichsbahn" in die Vernichtungslager. Dies behauptet der Verein "Zug der Erinnerung" und führt als Beweis eine Sendung des Kanals "Bahn TV" an. Darin wird ein Dokumentarfilm vorgestellt, der laut Bahn-Moderatorin "mit viel Liebe zum historischen Detail" produziert worden ist.
Die Dokumentation ("Zeugnisse der Zeit") behandelt 150 Jahre deutsche Eisenbahngeschichte. Über die NS-Diktatur und die Zeit nach 1936 heißt es zusammenhanglos, die deutsche Wirtschaft habe einen "nie erwarteten Aufschwung" erlebt, der Lebensstandard sei gestiegen "und damit auch die Reiselust". Dazu zeigt der Film unverfremdete NS-Propagandaaufnahmen von überfllten Urlauberzügen. Die NS-Szenen sind mit einem belebenden Militärmarsch unterlegt und erwecken den Eindruck erfreulicher Normalität. Zu diesem Zeitpunkt war die Ausgrenzung der deutschen Juden in vollem Gange; bei Nacht und Nebel deportierte die "Reichsbahn" 1938 tausende polnische Staatsbürger "nach Osten".
Übergangslos und ohne jegliche Erwähnung der "Reichsbahn"-Beihilfe zum Massenmord beklagt die "Bahn TV"-Sendung die Zerstörung deutscher Städte und Gleisanlagen mit Aufnahmen aus der Nachkriegszeit. Über die "Reichsbahn"-Transporte in die Vernichtungslager und die KZ-Baubrigaden, die auf den "Reichsbahn"-Gleisen ihr Leben liessen, sagt die "Bahn TV"-Sendung nichts. Insgesamt über 3 Millionen Menschen verschleppte die "Reichsbahn" im Auftrag des "Reichssicherheitshauptamtes" und anderer NS-Behörden nach Auschwitz oder in andere Todeslager. Das Sendezitat von "Bahn TV" kann im Internet abgerufen werden: http://zug-der-erinnerung.eu/index.html
Die "Bahn TV"-Sendung wird in einer gerade eröffneten Ausstellung im "Zug der Erinnerung" gezeigt. Die Ausstellung präsentiert weitere Dokumente über das Geschichtsbild der "Reichsbahn"-Erben. Demnach versuchte die "Deutsche Bundesbahn", eine öffentliche Darstellung der NS-Massendeportationen in die Vernichtungslager zu verhindern. In der internen Korrespondenz der DB-Direktion heißt es, "daß die Rolle der Eisenbahn bei der Judenverfolgung im Dritten Reich nicht zum Gegenstand" einer Ausstellung über die Bahngeschichte gemacht werden dürfe. Als Historiker Akten über die "Reichsbahn"-Deportationen anfordern wollten, antwortet die DB, "daß es nicht zu Ihren Aufgaben gehört und auch über Ihre Möglichkeiten hinausgeht, Forschungen in dieser Richtung sachkompetent durchzuführen." Bis heute lagern in den Archiven der "Reichsbahn"-Nachfolger Fotoalben und andere Hinweise auf mutmaßliche Täter. Die Deutsche Bahn AG belegt die Ausstellung im "Zug der Erinnerung" mit hohen Gebühren. Bisher musste die Bürgerinitiative für die Schienennutzung und für Stationsaufenthalte an 70 Bahnhöfen über 110.000.- Euro zahlen. Eine Spende an den "Zug der Erinnerung" lehnt der Bahnvorstand ab.
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Nach einer 10.000 Kilometer langen Fahrt ber 70 ehemalige Deportationsbahnhöfe bricht der Zug der Erinnerung am 2. März zu einer neuen Reise auf. Sie beginnt in Bonn und führt durch Stationen in fünf Bundesländern (1). Bisher kamen 240.000 Besucher in die mobile Gedenkstätte, die von einer Dampflok gezogen wird. Fotos und Dokumente berichten in mehreren Waggons vom letzten Weg Hunderttausender Kinder in die Konzentrations- und Vernichtungslager des NS-Regimes. Ganze Schulklassen, Waisenhäuser oder Jugendliche aus Heil- und Pflegeanstalten wurden mit der Reichsbahn verschleppt, weil sie als lebensunwert oder rassisch minderwertig galten. An diese Opfer aus ganz Europa wird der Zug auf seinem Weg in die Gedenkstätte Auschwitz erinnern.
Die von einer Brgerinitiative organisierte Fahrt drohte im vergangenen Jahr an hohen Forderungen der Deutschen Bahn AG zu scheitern. Das Nachfolgeunternehmen der Reichsbahn verlangte für den Zug Trassengebühren (3,50 Euro pro Kilometer) und für das Gedenken an den Bahnhöfen 45.- Euro pro Stunde. Insgesamt musste die Brgerinitiative der Bahn AG bisher über 110.000.- Euro zahlen. Trotz parteiübergreifender Appelle sämtlicher Mitglieder des parlamentarischen Verkehrsausschusses weigert sich der Vorstandsvorsitzende Mehdorn, diese Summe dem gemeinntzigen Verein zu spenden. Auch für die neue Reise will die Bahn AG Gebühren erheben.
Das Bundesverkehrsministerium kündigte mehrmals an, sich für eine Rückzahlung der hohen Beträge einzusetzen. Praktische Folgen hatten diese Bekundungen bisher nicht. Der Zug der Erinnerung erhält von der Bundesregierung keinen Cent. Mehrere Millionen Euro steckt die Koalition jedoch in einen Werbezug deutscher Industrieunternehmen, der in diesem Frühjahr ebenfalls durch Deutschland fährt (Expedition Zukunft).
Um das Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen wenigstens beim kommenden Start in Bonn (Nordrhein-Westfalen) zu erleichtern, hoffte die Bürgerinitiative auf Unterstützung durch die Landeszentrale für politische Bildung NRW. In NRW hat der Zug der Erinnerung für den Halt an bisher 13 Stationen mehrere hunderttausend Euro aufbringen müssen. Die Bürgerinitiative beantragte die Hälfte der auf dem Bonner Hauptbahnhof entstehenden Kosten (8 Tausend Euro). Dies lehnte die Landeszentrale für politische Bildung jetzt ab und beschied den Verein, er könne 3 Tausend Euro erhalten, sofern er Werbemaßnahmen für die Landeszentrale durchführe.
Das Verhalten der Landeszentrale sei geeignet, bei vielen Tausend privaten Spendern Empörung auszulösen, heißt es in einem Antwortschreiben der Bürgerinitiative. Diese Menschen erwarten zu Recht, dass dem wachsenden Pegel rechtsextremer Gewalttaten angemessen und mit offenem Blick auf die NS-Verbrechen jederzeit begegnet wird. Die Entscheidung Ihres Hauses erfüllt diese Erwartungen nicht.
Anläßlich des Gedenkens an die Massenpogrome erhebt der Bahnvorstand Gebühren
In Oranienburg befand sich seit 1933 eines der ersten Konzentrationslager. Zu den Gefangenen gehörten auch Kinder und Jugendliche. Der Schriftsteller Erich Mühsam wurde im KZ Oranienburg ermordet. Insgesamt etwa 3 Millionen Menschen verschleppte die "Deutsche Reichsbahn" in Konzentrations- und Vernichtungslager. Auf dem Bahnhof von Oranienburg wollen Überlebende der Deportationen aus Polen, Israel und Deutschland am 8. November dieser Opfer gedenken.
Die Bürgerinitiative, die den "Zug der Erinnerung" durch Deutschland fahren lässt, hatte sich frühzeitig an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn AG, Dr. Hartmut Mehdorn, gewandt und um Verzicht auf Trassen- und Stationsgebhren für das Gedenken gebeten. Am 26.09. antwortete Dr. Otto Wiesheu ("Vorstand Wirtschaft und Politik"), es habe sich an der "Notwendigkeit der Erhebung von Trassen- und Stationsentgelten nichts geändert". Für die zurckliegenden Strecken mußte der "Zug der Erinnerung" an die historischen Erben der "Deutschen Reichsbahn" über 100.000 Euro zahlen.
Auf einen erneuten Appell an den Bahnvorstand, wegen des Gedenkens in Oranienburg großzügig zu sein und die jetzt anfallenden Gebühren zurück zu erstatten, antworteten Mehdorn und Wiesheu bis heute nicht.
Ebenfalls unbeantwortet blieben mehrere Schreiben an den Bundesminister für Verkehr. Er war am 4. September und am 22. Oktober gebeten worden, die Bürgerinitiative bei der kommenden Gedenkfeier auf dem Bahnhof Oranienburg finanziell zu unterstützen. "Die Ausgaben müssen wir aus privaten Spenden bestreiten, die für die Unterstützung der Überlebenden besser verwendet werden könnten", schrieb die Bürgerinitiative.
Die bundesweite Initiative wird sich am kommenden Samstag in Oranienburg von Vertretern israelischer und polnischer Hilfsorganisationen ber die sozialen und finanziellen Probleme der Überlebenden informieren lassen. Für die Gedenkfeier am "Zug der Erinnerung" haben sich Vertreter mehrerer Botschaften angekündigt, um die Deportierten ihrer Länder auf dem Bahnhof Oranienburg zu ehren.
Der von einer privaten Bürgerinitiative betreute „Zug der Erinnerung“ wird seine Fahrt in den kommenden Monaten fortsetzen. Geplant ist eine Strecke über mehrere Tausend Kilometer, die auf zahlreiche Bahnhöfe im west- und süddeutschen Schienennetz führt. Auch Stationen in den Nachbarländern sollen angefahren werden, um der deportierten Kinder und Jugendlichen aus fast sämtlichen europäischen Staaten zu gedenken. Die Zahl der minderjährigen NS-Opfer, die von der „Deutschen Reichsbahn“ in die Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt wurden, wird auf 1,5 Millionen geschätzt.
Die von einer Dampflok gezogenen Ausstellungswaggons mit Biografien der jugendlichen Opfer waren bisher auf 70 Bahnhöfen zu sehen und zogen über 240.000 Besucher an. Die Ausstellung, die auch Täter aus dem Reichsverkehrsministerium und der „Deutschen Reichsbahn“ benennt, wird gegenwärtig erweitert.
Um den letzten Überlebenden der Kinder-Deportationen praktische Unterstützung zukommen zu lassen, will der „Zug der Erinnerung“ jetzt mehrere Hilfsprojekte anstoßen. Allein in Polen verschleppten die deutschen Behörden über 30.000 Kinder und Jugendliche. Mehrere Tausend Opfer aus anderen europäischen Staaten leben in hohem Alter in Israel. Neben materiellen Sorgen plagen sie psychische Spätfolgen, die den „Reichsbahn“- Deportationen und der Gefangenschaft in den Lagern zuzuschreiben sind. Die Betreuung der Hilfsprojekte werden lokale Initiativen an den kommenden Stationen des Zugaufenthalts übernehmen.
Wie seit Fahrtbeginn im November 2007 wird der „Zug der Erinnerung“ auch künftig vor allem durch private Spenden finanziert. Annähernd 100.000 Euro mussten die Initiatoren bisher an die Deutsche Bahn AG zahlen. Sie verlangt für die Schienennutzung und das Gedenken auf den Bahnhöfen hohe Summen. Einen Erlass oder eine Spende an den „Zug der Erinnerung“ hat das Unternehmen trotz zahlreicher Appelle aus Kultur und Politik (darunter von den Ministerpräsidenten des Saarlands und Thüringens) abgelehnt.
In einem aktuellen Schreiben bittet der gemeinnützige Verein den Vorstandsvorsitzenden Mehdorn erneut, auf Kostennoten für das Gedenken zu verzichten. Ähnliche Appelle haben die Initiatoren an den Verkehrs- und an den Finanzminister gerichtet, die über das bundeseigene Bahnunternehmen Aufsicht führen.
Die Bahn AG sperrt den Berliner Hauptbahnhof für die ungehinderte Einfahrt des „Zug der Erinnerung“. Auch der ehemalige Deportationsort Grunewald wird für das Gedenken an die ermordeten Kinder und Jugendlichen von der Bahn AG nicht frei gegeben. Dies wurde der bundesweiten Bürgerinitiative „Zug der Erinnerung“ am Mittwoch (2. April) mitgeteilt.
Die Sperrung begründet die Bahn AG mit „betrieblichen“ Erfordernissen. Demnach gefährde die Rauchentwicklung des Triebfahrzeuges, einer Dampflok, die Sicherheit des Hauptbahnhofs. Mit einer identischen Begründung hatte die Bahn AG über Ostern versucht, den Hamburger Hauptbahnhof zu sperren. Nach Protesten zahlreicher Persönlichkeiten und Organisationen, darunter der Jüdischen Gemeinde Hamburg, musste die Sperrung teilweise aufgehoben werden. Bereits zuvor hatte die Bahn AG mehrere Tausend Besucher vom Gedenken auf dem Kölner Hauptbahnhof ausgeschlossen, indem sie eine Verlängerung der Standzeiten des Zuges untersagte.
Zum Bahnhof Grunewald, einem der zentralen Deportationsorte der Reichsbahn, erklärte die Bahn AG, es gebe nur zwei Abstellgleise ohne öffentlichen Zugang.
In Berlin soll der „Zug der Erinnerung“ mit Fotos und Lebenszeugnissen der deportierten Kinder am 13. April eintreffen und insgesamt 10 Tage zur Verfügung stehen. Bisher kamenüber 160 Tausend Besucher in die Ausstellungswagen, die auf dem Weg zur Gedenkstätte Auschwitz sind. Neben dem Berliner Hauptbahnhof sind Stationen an den ehemaligen Berliner Deportationsgleisen vorgesehen (Westhafen und Grunewald). Mehr als 4.600 Kinder und Jugendliche wurden aus Berlin mit der „Reichsbahn“ verschleppt. Aus den Vernichtungslagern kehrten sie nicht zurück.
Die Sperrung des Berliner Hauptbahnhofs erfolgt im Anschluss an ein Schreiben des DB-Vorstandsmitglieds Dr. Otto Wiesheu (CSU, DB-Vorstand Wirtschaft und Politik). Wiesheu teilte mehreren Bundestagsabgeordneten jetzt schriftlich mit, daß die Bahn AG den „Zug der Erinnerung“ weiterhin mit Gebühren belegen werde. Der Zug muß pro Bahnkilometer rund 3,50 Euro, pro Abstellstunde 5,00 Euro und pro Ausstellungstag für das Gedenken 450 Euro zahlen. Insgesamt erwartet die private Bürgerinitiative DB-Rechnungen in Höhe von über 100.000 Euro. Laut Wiesheu ist das Gedenken („Inanspruchnahme der Eisenbahninfrastruktur“) ohne Einschränkung „kostenpflichtig“. Eine Bitte um Stundung der Forderungen hat die Bahn AG kategorisch abgelehnt.
In seinem Schreiben weist Wiesheu den Appell von Abgeordneten sämtlicher Bundestagsparteien zurück, die sich am 15. Januar 2008 an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Hartmut Mehdorn gewandt hatten. Mehdorn war fraktionsübergreifend vorgeschlagen worden, die verlangten Kosten für das Gedenken einzuziehen, aber durch eine Spende in gleicher Höhe zu neutralisieren. Wie Wiesheu jetzt schreibt, werde sich die Bahn AG dem„massive(n) öffentliche(n) Druck“ „nicht beugen“.
An die Bahn AG hatten u. a. die Bundestagsvizepräsidentin Karin Göring-Eckardt, mehrere Ministerpräsidenten (Peter Müller, Saarland; Dieter Althaus, Thüringen), ganze Landtagsfraktionen, Oberbürgermeister aus fast sämtlichen Bundesländern, sowie christliche und jüdische Repräsentanten appelliert.
„Den mit der Reichsbahn deportierten Opfern muss an zentralen Stellen der deutschen Hauptstadt gedacht werden dürfen“, sagt der Vorstandssprecher des Vereins „Zug der Erinnerung“. „Diese zentralen Orte sind der Berliner Hauptbahnhof, der ehemalige Deportationsbahnhof Berlin – Grunewald, sowie sämtliche anderen in Berlin angemeldeten Bahnhöfe des Gedenkens .“
Auf dem Hamburger Hauptbahnhof steht kein Bahnsteig für das Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen der NS-Zeit zur Verfügung. Dies hat die Bahn AG dem „Zug der Erinnerung“ mitgeteilt, der am Ostermontag nach Hamburg einlaufen soll. In den Ausstellungswagen des Zuges, der seit mehreren Monaten durch Deutschland fährt, wird an die in der Hansestadt erhängten Kinder vom Bullenhuser Damm und an Zehntausende andere Jugendliche erinnert. Sie waren mit der „Deutschen Reichsbahn“ in die Vernichtungslager verschleppt worden und kehrten nicht zurück.
Für Hamburg ist ein sechstägiger Zugaufenthalt geplant. Am Montag bestätigte die DB AG, daß der Hamburger Hauptbahnhof für das geplante Gedenken gesperrt wird. Dafür seien „bahnbetriebliche“ Gründe maßgebend, um die planmäßige Ordnung des Zugverkehrs aufrecht zu erhalten.
Auch Ausweichbahnhöfe im Stadtgebiet stünden entweder gar nicht oder nur stundenweise zur Verfügung, teilt die Bahn AG mit. Sie bietet ein Abstellgleis in Hamburg-Altona an, das in den Kernzeiten des Besucherinteresses ebenfalls gesperrt wird. Dort dürfe der „Zug der Erinnerung“ seine Gedenkausstellung um 10 Uhr eröffnen. Ab 15.00 Uhr müsse der Zug „abgeräumt“ werden, verfügt die Bahn AG.
Bereits am vergangenen Samstag hatte die DB AG angeordnet, den „Zug der Erinnerung“ aus dem Kölner Hauptbahnhof zu entfernen, wo er mehrere Tage Station machte. Wegen des nicht mehr zu bewältigenden Besucherandrangs (7.000 in Köln, bundesweit 140.000) hatte die Bürgerinitiative um eine Verlängerung der Standzeiten gebeten. Diese Bitte wurde abgewiesen.
Die DB AG verlangt für das Gedenken im „Zug der Erinnerung“ stündlich 45,00 Euro, für das Standgleis stündlich 5,00 Euro, für einen Stromanschluss (ohne Stromverbrauch) bis zu 945,00 Euro und für den gefahrenen Streckenkilometer rund 3,50 Euro. Für die Anfahrt und den Aufenthalt in Hamburg muss die Bürgerinitiative über 6.000,00 Euro an DB-Kosten aufbringen. Der Gesamtbetrag, den die DB AG für das bundesweite Gedenken berechnet, wird auf 110 Tausend Euro kalkuliert. Die DB AG hat Bitten um Stundung der Gelder abgelehnt.
Der „Zug der Erinnerung“ soll am 8. Mai in der Gedenkstätte Auschwitz eintreffen. Auf der letzten Etappe wird er von Vertretern zahlreicher internationaler Medien begleitet werden.
Trotz zahlreicher Proteste belegt die Deutsche Bahn AG den „Zug der Erinnerung“ erneut mit hohen Gebühren. Der Zug fährt mit einer Ausstellung über die „Reichsbahn“- Deportationen zur Gedenkstätte Auschwitz und hat bisher an 27 Bahnhöfen gehalten. Für die Aufenthalte, bei denen der deportierten Kinder und Jugendlichen gedacht wird, legt die Bahn AG jetzt Rechnungen vor. Darin wird jede Minute des Gedenkens an die NS-Opfer in Listen erfaßt. Die Bepreisung erfolgt stundenweise. Je nach Bedeutung des Bahnsteigs, auf dem der „Zug der Erinnerung“ Lebenszeugnisse der Deportierten sammelt, kostet das Gedenken mal 225 Euro, mal 450 Euro pro Tag. Auf kleineren Bahnsteigen gewährt die Bahn AG einen Preisnachlaß, auf größeren Umschlagplätzen der früheren Massendeportationen muß mehr gezahlt werden (Anlagen). Insgesamt handelt es sich um Beträge von mehreren zehntausend Euro.
Weitere Summen in fünfstelliger Höhe will die Bahn AG für die Nutzung des Schienennetzes auf dem Weg zur Gedenkstätte Auschwitz einziehen: im Durchschnitt 3,50 Euro pro Kilometer. Da der „Zug der Erinnerung“ über 6.000 Kilometer zurück legt, ist mit etwa 25 Tausend Euro zu rechnen. Der absehbare Gesamtbetrag, den die DB AG für die Erinnerungsarbeit deutscher Bürgerinitiativen fordert, steigt inzwischen auf über 70 Tausend Euro.
Die Initiativen finanzieren den „Zug der Erinnerung“ durch Spenden. Insgesamt 85.000 Besucher haben bisher dazu beigetragen.
Gegen das Verhalten der Bahn AG haben die Ministerpräsidenten von Thüringen, des Saarlandes und von Sachsen öffentlich Stellung bezogen. Auch Landtagsabgeordnete sämtlicher demokratischer Parteien, Regionspräsidenten und Oberbürgermeister haben der Bahn AG geraten, ihre Rechnungslegung für das Gedenken an die NS-Opfer aufzugeben. Diese Aufforderungen zeigen bisher keine erkennbare Wirkung. Der Bahnvorstand lehnt es weiter ab, dem „Zug der Erinnerung“ die Kosten zu erlassen. Entsprechende Bitten hat das Vorstandsbüro von Bahnchef Mehdorn schriftlich zurückgeweisen.
DB-Rechnungsauszüge als pdf-Dateien in der Anlage
PARIS - Die Direktion der französischen Staatsbahnen (Société Nationale des Chemins de Fer) hat einer Bitte der deutschen Bürgerinitiativen im „Zug der Erinnerung“ entsprochen. SNCF stellt für die fahrende Ausstellung, die Biografien der vom NS-Regime deportierten Kinder aus ganz Europa zeigt, einen Ersatzwaggon zur Verfügung. Die Hilfszusage, die zu den üblichen Mietkonditionen erfolgt, erspart den Initiatoren finanzielle Ausfälle und Ausgaben in Höhe von rund 18.000.- Euro.
Hintergrund der Kooperation ist die Ausweitung des Gedenkens an die verschleppten Kinder. Wegen der kaum noch zu bewältigenden Anteilnahme auf den früheren Deportationsbahnhöfen (bisher über 60.000 Besucher) ist die Fahrt um mehrere tausend Kilometer verlängert worden und wird am 08. Mai in der Gedenkstätte Auschwitz enden. Dort wollen Jugendliche aus über 40 Städten der Bundesrepublik in einer internationalen Zeremonie an die Deportierten erinnern.
Wegen der Verdoppelung der ursprünglich geplanten Fahrstrecke kam es zu einem technischen Engpass. Die Ausstellung hätte für mehrere Wochen unterbrochen werden müssen. Die Zusage der SNCF, einen seltenen Ersatzwaggon zur Verfügung zu stellen, ermöglicht die Fortsetzung der Fahrt in weitere deutsche Bahnhöfe.
Dazu gehört der Hauptbahnhof Hamburg, wo örtliche Initiatoren den „Zug der Erinnerung“ im März empfangen wollen. In der Hansestadt endete das Leben von Georges-André Kohn, eines französischen Deportierten, der im Alter von 13 Jahren im Keller einer Schule erhängt wurde. Seine Biographie ist Teil der Ausstellung im „Zug der Erinnerung“.
„Ihre uneigennützige Hilfe ehrt die ermordeten Kinder und ist uns ein Beispiel gemeinsamer Werte“, heißt es in einem Dankesschreiben der Bürgerinitiativen an die Direktion der SNCF.
BERLIN - Weil ein "faktischer Boykott" das öffentliche Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen der NS-Zeit behindere, wenden sich Bürgerinitiativen um den „Zug der Erinnerung“ jetzt an die europäische Öffentlichkeit. Sie rufen zu Protesten gegen die"Deutsche Bahn AG" und das Berliner Verkehrsministerium auf.
Die Bürgerinitiativen lassen den "Zug der Erinnerung" seit vergangenem November auf den früheren deutschen Deportationsstrecken fahren. Der Zug transportiert eine mobile Ausstellung mit Biografien verschollener Kinder aus vielen europäischen Staaten. Nach unbestätigten Schätzungen wurden über eine Million Kinder und Jugendliche auf dem deutschen Schienennetz in die Vernichtungslager verschleppt. Die Massentransporte organisierte die "Deutsche Reichsbahn". Nur wenige Deportierte kehrten zurück.
Über 40.000 Besucher kamen bisher auf die deutschen Bahnhöfe, um sich über die NSVerbrechen zu informieren. In den beengten Ausstellungswagen legen sie Blumen für Kinder aus Norwegen, den Niederlanden, Polen oder Italien nieder. Zehntausende warten auf die Ankunft des Zuges in fast sämtlichen deutschen Bundesländern und bereiten dort das Gedenken für verschollene Kinder aus ihren Heimatstädten oder aus Frankreich, Belgien oder Griechenland vor.
Aber die "Deutsche Bahn AG", der größte europäische Schienenlogistiker, behindere das Gedenken durch Forderungen über mehrere Zehntausend Euro, heißt es in dem Aufruf. Bitten um Erlass dieser Gelder hat der Bahn-Vorstand abgelehnt. Auch das Berliner Verkehrsministerium weigert sich kategorisch, den „Zug der Erinnerung“ zu unterstützen, obwohl die Massendeportationen europäischer Kinder und Jugendlicher von der staatlichen Vorgängerorganisation („Reichsverkehrsministerium“) in Auftrag gegeben wurden.
Gegen die Versuche, den "Zug der Erinnerung" durch materielle Auflagen anzuhalten, protestieren seit Wochen Parlamentsabgeordnete mehrerer Parteien und zahlreiche deutsche Medien. „Es ist beschämend, daß die Bahn AG dieses Projekt durch ihre Haltung erschwert. Es waren ehemalige Bahn-Manager, die diese Deportationen organisierten“, sagt die SPDBundestagsabgeordnete Ulla Burchhardt. "Unerträglich" nennt Winfried Hermann (Bündnis 90/ Die Grünen), Abgeordneter im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages, das Verhalten des Bahn-Vorstands. Auch der Ministerpräsident des Saarlands, Peter Müller (CDU), kritisiert die Bahnspitze. Die "Saarbrücker Zeitung" hält das Vorgehen des Bahn- Konzerns für "(s)krupellos: „Bereichert er sich doch damit indirekt an dem Leid der von der Deutschen Reichsbahn Deportierten. Eine armselige Haltung, die verletzender für Überlebende nicht sein könnte.“
Die Interventionen blieben bisher wirkungslos.
Angesichts der Behinderungen rufen die Initiatoren im „Zug der Erinnerung“ jetzt zu Protesten auf. Von der Bahn AG wird ein vollständiger Verzicht auf finanzielle Forderungen verlangt. Über das Berliner Verkehrsministerium heißt es, es gehöre zu den "staatlichen Erben der Täter" und müsse für den "Zug der Erinnerung" einen "maßgeblichen finanziellen Beitrag leisten". Proteste im europäischen Ausland sollen an die diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik gerichtet werden.
Pressekontakte:
Zug der Erinnerung e.V.
www.zug-der-erinnerung.eu
Vorstandssprecher:
Hans-Rüdiger Minow
Pressefotos auf Anforderung
Zum Gedenken an die deportierten Kinder und Jugendlichen der NS-Zeit wird Mitte Dezember der „Zug der Erinnerung“ auf dem Kasseler Hauptbahnhof einlaufen.
Der „Zug der Erinnerung“ besteht aus einer Dampflok und mehreren Ausstellungswagen, in denen Fotos und Briefe der Deportierten gezeigt werden. Ziel des Zuges ist die Gedenkstätte Auschwitz, wo die bundesweite Fahrt im Mai kommenden Jahres enden soll. Initiatoren sind Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland, die damit „einen Beitrag gegen Antisemitismus, Fremdenhass und nationalen Größenwahn“ leisten wollen. Die Kosten der 3000 Kilometer langen Zugfahrt werden durch Spenden aufgebracht.
Obwohl der Zug seit kaum 4 Wochen unterwegs ist, zählen die Initiatoren bereits mehrere Zehntausend Besucher, insbesondere Schüler und Jugendliche. Ausstellungsorte sind die Bahnhöfe der einstigen Deportationsstädte. Kassel war zentraler Umschlagplatz für Deportationen aus Nordhessen. Einer dieser Bahntransporte, in die über 1000 Menschen gepfercht wurden, verließ Kassel am 09. Dezember 1941. Ziel war das Ghetto Riga. Nach Riga kam auch Günter Siegfried Sternberg aus dem heutigen Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen. Er kehrte nicht zurück. Dem ermordeten Jungen wird im „Zug der Erinnerung“ gedacht.
An sämtlichen Stationsorten (bisher u.a. Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen, Kaiserslautern) haben die örtlichen Schulämter Klassenbesuche organisiert, auf die der „Zug der Erinnerung“ mit mehreren pädagogischen Begleitern vorbereitet ist. Auch in Kassel regen die Initiatoren eine Freistellung der Schülerinnen und Schüler für den ungewöhnlichen Ausstellungsbesuch an. Sie haben sich deswegen an den Kasseler Oberbürgermeister gewandt und ihm die Schirmherrschaft für den „Zug der Erinnerung“ angetragen.
Zugankunft: Montag 17. Dezember. Ausstellung von 09.00 bis 19.00 Uhr
Auch am Dienstag, 18. Dezember, Ausstellung von 09.00 bis 19.00 Uhr

BERLIN - Rund 20.000 Besucher haben binnen weniger Wochen eine fahrende Ausstellung über die NS-Deportationen in den deutschen Bahnhöfen gesehen. Die ungewöhnliche Ausstellung, die den deportierten Kindern und Jugendlichen aus ganz Europa gewidmet ist, befindet sich in mehreren Waggons und wird von einer Dampflok an die früheren Deportationsbahnhöfe gezogen. Von dort wurden über 12.000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland in die Vernichtungslagern verschleppt. Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche aus ganz Europa kehrten nicht zurück.
Nach dem Start des Zuges auf dem Frankfurter Hauptbahnhof am 8. November strömen vor allem Jugendliche in den "Zug der Erinnerung". In den beengten Abteilen wird mit Fotos und letzten Briefen über das kurze Leben der Deportierten informiert. "Die Anteilnahme ist überwältigend", sagt Stephan Wirtz, einer der pädagogischen Begleiter, die Schulklassen und andere Gruppen betreuen. "Auch Bahnreisende, die auf ihre Anschlusszüge warten, kommen in die Ausstellung. Ihnen ist die Erschütterung anzusehen."

Der Zug, der in den kommenden Tagen in Kaiserslautern, Saarbrücken, Fulda und Göttingen erwartet wird, soll 3000 Kilometer zurücklegen. Für die Nutzung der Schienen zahlen die privaten Organisatoren sogenannte Trassengebühren an die Bahn AG. Darüber hinaus ist das Gedenken in den Bahnhöfen nach Regelsätzen für Zugaufenthalte zu entgelten. Diese Beträge summieren sich auf mehrere 10.000 Euro. Einen Erlaß dieser Gebühren hat die Bahn AG abgelehnt. Eine Bitte um finanzielle Unterstützung wies das Verkehrsministerium jetzt "aus rechtlichen Gründen" zurück. Insgesamt kostet die mehrmonatige Fahrt über 250.000 Euro. Die beteiligten Bürgerinitiativen sammeln deswegen Spenden.
Wegen des großen Interesses ist eine Verdoppelung der Fahrstrecke geplant. Sie wird zur Gedenkstätte Auschwitz führen. Anfragen liegen inzwischen aus sämtlichen Bundesländern vor, darunter von Bürgermeistern und Stadtparlamenten.
Um die erheblichen Neukosten zu decken, hat sich der "Zug der Erinnerung" an den Verkehrsausschuss des Bundestages gewandt.
Am 8. November wird der „Zug der Erinnerung“ in Frankfurt a.M. zur Fahrt durch die Bundesrepublik starten. Der Zug, der von einer Dampflok gezogen wird und aus mehreren Ausstellungswagen besteht, verkehrt auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn. Dort steuert er die Heimatstädte der über 12.000 Kinder an, die zwischen 1940 und 1944 in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Haltestationen nach Frankfurt a.M. sind Bahnhöfe in Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen. Insgesamt wird der „Zug der Erinnerung“ über 3000 Kilometer zurücklegen.
An den früheren Deportationsorten bemühen sich Bürgervereine teilweise seit Monaten um Spurensuche nach den deportierten Kindern und Jugendlichen. Die Opfer stammen aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma oder sind Kinder von Nazi-Gegnern. Ihre Lebenszeugnisse, Fotos, Archivbelege und mündlichen Berichte wird der Zug am Ende der mehrmonatigen Reise zur Gedenkstätte Auschwitz (Oswiecim) bringen. Der Leidensweg der jugendlichen Opfer ist in der deutschen Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben.
Massendeportationen von Kindern und Jugendlichen fanden auch in den vormals okkupierten europäischen Staaten statt. Darin erinnert die fahrende Ausstellung mit Biografien aus Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Griechenland und Osteuropa. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die nie mehr zurückkehrten.
An den Vorbereitungen der Fahrt durch 7 Bundesländer sind mehrere hundert Freiwillige beteiligt, die mit dem ungewöhnlichen Gedenken auch ein Zeichen gegen Rassenhass, Rechtsextremismus und nationalen Größenwahn setzen wollen. Die erheblichen Kosten der Kampagne, die mit einem bundesweiten Kinotrailer um das Interesse von Jugendlichen wirbt, tragen die Bürgerinitiativen aus eigener Tasche. Sie haben sich mit Bitten um finanzielle Unterstützung u.a. an das Berliner Verkehrsministerium und die Bahn AG gewandt.
Start: Frankfurt a.M.: 8.-9.11. / Darmstadt: 9.-13.11./ Mannheim: 14.-17.11./ Karlsruhe:18.-20.11. / Ettlingen: 21.11./ Vaihingen: 22.11./ Stuttgart: 22.-24.11./ Tübingen: 25.-27.11
Saarbrücken, Fulda, Göttingen, Hannover, Braunschweig, Gotha, Erfurt, Weimar, Leipzig, Dresden u.a.
Berlin/Oswiecim- Mit einer Zugstaffette wollen deutsche Bürgerinitiativen an die NS-Deportationen von über 12.000 jüdischen Kindern und an die Verschleppung Jugendlicher aus zahlreichen anderen Opfergruppen erinnern. Der Zug soll in diesem Herbst auf der Strecke der früheren Deportationen der Reichsbahn verkehren und die deutschen Heimatstädte der verschollenen Kinder ansteuern. Eine mobile Ausstellung, die das Deportationsschicksal in mehreren Waggons darstellt, will insbesondere Jugendliche zur Spurensuche nach örtlichen Lebenszeugnissen der deportierten Kinder anregen. Als Haltebahnhöfe sind bisher Stationen in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen vorgesehen.
Der bundesweite Bürgerverein „Zug der Erinnerung“ will die dort gesammelten Fotos, Archivbelege und mündlichen Berichte über die deportierten Kinder am Ende der mehrmonatigen Zugreise zur Gedenkstätte Auschwitz bringen. Die abschließende Fahrt zwischen dem Grenzbahnhof Görlitz und dem heutigen Oswiecim (Auschwitz) werden Teilnehmer der bundesweiten Spurensuche aus sämtlichen Bundesländern begleiten. In der Gedenkstätte soll der „Zug der Erinnerung“ im kommenden Jahr eintreffen.
Die verschollenen Kinder und Jugendlichen kamen mehrheitlich aus jüdischen Elternhäusern. Aber auch Kinder der Sinti und Roma wurden verschleppt. Sie waren sowohl in ländlichen Gegenden als auch in fast allen deutschen Großstädten zu Hause. Zwischen 1940 und 1944 wurden sie meist mit ihren Familien auf den Bahnhöfen zusammengetrieben und mit Zügen der Reichsbahn in die Vernichtungslager geschleust. Der gemeinnützige Verein „Zug der Erinnerung“ hat bisher 12.089 deutsche Kinder und Jugendliche identifiziert, die bei Deportationen im Reichsgebiet Opfer der NS-Rassenpolitik wurden. Ihr Leidensweg ist in der breiten deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Die bundesweite Zugstaffette und das von ihr angeregte Gedenken sollen ein Zeichen gegen Rassenhass, Rechtsextremismus und nationalen Größenwahn setzen.
Der „Zug der Erinnerung“ schließt an Erfolge deutscher Bürgerinitiativen an. Mit zunehmender Unterstützung der Öffentlichkeit hatten sie seit zwei Jahren gefordert, eine in französischen Bahnhöfen gezeigte Ausstellung über die jugendlichen Opfer der Deportationsverbrechen auch auf die deutschen Bahnhöfe zu bringen. Den international beachteten Kundgebungen entsprach das Berliner Verkehrsministerium im vergangen Dezember und projektierte eine Ausstellung der Bahn AG, die im kommenden Jahr stattfinden soll.
Der „Zug der Erinnerung“, der bereits in diesem Winter fahren wird, ist ein gesellschaftliches Bürgerprojekt. Es lädt dazu ein, das Gedenken zur eigenen Sache zu machen und selbständig zu handeln - in den Heimatstädten der Deportierten und mit Blick auf die gesamteuropäische Dimension dieses Großverbrechens. Schätzungen gehen davon aus, dass über eine Million Kinder und Jugendliche aus fast sämtlichen Staaten des Kontinents mit der Reichsbahn in den Tod befördert wurden. Die Haupttäter wurden nie bestraft.
Der „Zug der Erinnerung“ wird organisatorisch und auch finanziell von Initiativen in zahlreichen deutschen Städten getragen. Die erheblichen Kosten teilen sich die örtlichen Gruppen mit überregionalen Organisationen und privaten Spendern. Kooperationspartner sind u.a. Gewerkschaftsverbände, Stiftungen und Gedenkstätten.