
Zug der Erinnerung
Ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen
In Kooperation mit:
Über 100 Teilnehmer aus fast sämtlichen Regionen der Bundesrepublik haben sich für die diesjährige Gedenkstättenfahrt zum Museum Auschwitz (Oświęcim/Polen) angemeldet. In der Mehrzahl sind es Jugendliche, die den "Zug der Erinnerung" auf seinen bisherigen Haltestationen besonders engagiert empfingen. Sie erarbeiteten Biographien der in ihrer Nachbarschaft deportierten Kinder und brachten diese Exponate in die mobile Ausstellung ein oder zeichneten sich durch Aktivitäten gegen Rassismus und Rechtsradikalismus aus. Um die Teilnehmer auf den Aufenthalt in dem früheren deutschen Vernichtungslager vorzubereiten, finden gegenwärtig Regionaltreffen statt, die der "Zug der Erinnerung" und seine pädagogischen Mitarbeiter besuchen.

Das Reiseprogramm beginnt Mitte April in der Bundeshauptstadt, dem früheren Zentrum der Deportationsbehörden und ihrer Schreibtischtäter. Ohne die Berliner Zentralen der SS ("Reichssicherheitshauptamt"), der "Deutschen Reichsbahn" und des Auswärtigen Amtes ist das Funktionieren der bürokratischen Vernichtungsapparate nicht zu verstehen. Das an Verbrechen unübertroffene Regime in Auschwitz wäre unmöglich gewesen, hätten die Täter lediglich auf eigene Faust gehandelt. Ihre Massenmorde fanden in einem hierarchischen System von Befehl und Gehorsam statt, das Voraussetzung individueller Entmenschlichung ist.
Zu diesem System gehörte auch die Indienststellung zehntausender Deportierter für Zwecke der deutschen Kriegsindustrie. Das regionale Zentrum der industriellen Ausbeutung war Auschwitz-Monowitz, ein auch für heutige Verhältnisse riesiger Fabrikkomplex, in dem Nachschub für die Front hergestellt wurde, vor allem durch den Chemiekonzern IG Farben (Maschinerie der Vernichtung). Im direkten Umfeld des IG-Farben-Geländes befanden sich in Auschwitz-Monowitz unzählige kleinere Zuliefererbetriebe, deren Arbeitskräfte die SS aus dem Stammlager zuführte. Diese Personalquelle schien unendlich groß: Aus jedem neuen Transport der verschleppten Juden oder Sinti, den die "Reichsbahn" aus ganz Europa ankarrte, filterten die NS-Spezialisten überlebensfähige Gefangene für ein kurzes Dasein als Arbeitssklaven. Alle anderen wurden ermordet. Dieser Zusammenhang zwischen rassistischen Motiven und ökonomischen Interessen wird in Auschwitz nicht immer offenbar - zu ungeheuer ist der Eindruck, den die eigentlichen Mordstätten hinterlassen.